LEPORELLO No. 6

Günter Hain – Illustrator, Comiczeichner und Stadtchronist

Das Heft

Technische Daten:

erschienen am:

10 Seite, 4c, DIN A5, Leporello, 100 Exemplare

Juni 2018



Günter Hain

Geboren am 25. Februar 1916 und gestorben am 23. April 1997, war Günter Hain ein Maler, Grafiker, Comiczeichner und seit 1987 Ehren­bürger der Stadt Görlitz. Als „Stadtchronist mit dem Zeichenstift“ erhielt er 1979 den Kunstpreis der Stadt. 

 

„Stadtchronist mit Zeichenstift“, unter diesem Motto ist Günter Hein in seiner Niederlausitzer Heimat bekannt. Mit seinen Illustrationen ist er aus der Görlitzer Heimatpresse über Jahrzehnte nicht wegzudenken gewesen. Auch wenn in vielen Artikeln über seine Kunst von „enormer zeitlicher Belastung, des zugleich lästigen und anspornenden Drucks der Verlagstermine“ und von „harter Brotarbeit für Verlage“ gesprochen wird, sind gerade diese Gebrauchsgrafiken in meinem Gedächtnis haften geblieben sind.

 

Am 25. Februar 1916 wurde Günter Hain in Görlitz geboren. Mit drei Geschwistern in der Familie eines städtischen Angestellten aufgewachsen, lebte er seit seiner Geburt in seiner Heimatstadt bis zu seinem Tode am 23. April 1997. Er besuchte die Volksschule und beendete die Lehre als Elektriker. Aber schon als Schüler fiel er durch sein zeichnerisches Talent auf. Der Görlitzer Maler Sylvester ­Schrammek entdeckte ihn in einem Abendkurs und der Maler Otto Engelhardt-Kyfhäuser ließ ihn an den Weiterbildungslehrgängen der Kunsterzieher teilnehmen und holte ihn auch in sein Atelier. Aquarelle und Zeichnungen entsctanden in rascher Folge. Seit der ersten Hälfte der dreißiger Jahre erschienen auch die ersten Pressezeichnungen. Geld für eine Hochschulausbildung fehlte der Familie aber. Aufrüstung und Krieg unterbrachen für elf Jahre seine künstlerische Entwicklung. Nach Reichsarbeitsdienst und Wehrmacht kam Günter Hain erst 1947 nach Hause zurück. In der „Lausitzer Rundschau“ und seit 1952 in der „Sächsischen Zeitung“ erschienen seine Zeichnungen. Bald entdeckten ihn die Verlage. Seit den fünfziger Jahren illustrierte er Kinderbücher und Märchenkalender. Für die Kinderzeitschriften „Frösi“, „Atze“ und „Trommel“ schuf er unzählige Illustrationen und Bildgeschichten, die einfallsreich, aktionsbetont und phantasievoll dem jungen Publikum Geschichte und Gegenwart erschlossen. Seine Erfahrungen als Amateurfilmer kamen ihn dabei zugute. Gern illustrierte er Kinderbücher Görlitzer Schriftsteller, so etwa „Walter und die eisernen Riesen“ von Siegfried Wagner (1955) und „Die Gefangenen von Murano“ von Werner Quednau (1954). Daneben entstanden Abbildungen für die Illustrierte „Zeit im Bild“. 

 

Immer aber fand er auch Zeit, etwas für seine Stadt Görlitz zu tun. Waren es in den Nachkriegsjahren Wandbilder im Reichenbacher Turm, in der Rüdiger-Gaststätte am Karl-Marx-Platz und in den Räumen der Lehrlingsausbildung, mit denen er Stadtgeschichte und Alltag schilderte, so folgten Zeichnungen für den „Görlitzer Kulturspiegel“, für Veröffentlichungen über Betriebe und Landgemeinden, über den Tierpark und die Landeskrone. Auch erschienen für die Görlitzinformation vier Hefte mit Sagen sowie zwei Hefte mit Geschichten aus Alt-Görlitz. Bekannte Görlitzer wurden portätiert und immer wieder malte er Straßen und Plätze seiner Stadt, die Felder und Dörfer seiner Heimatlandschaft. Auch von Auslandsreisen brachte er eine reichliche künstlerische Ausbeute mit. 

So hat sich Günter Hain einen geachtetet Platz im Görlitzer Kunstleben gesichert und wurde dafür im Jahre 1979 mit dem Kunstpreis der Stadt geehrt und seit 1987 als Ehrenbürger der Stadt eingetragen.

 

Viele Zeichnungen, Aquarelle und Skizzen sowie 25 seiner Filme schenkte Frau Hain dem Kulturhistorischen Museum. Das Museum und die Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften pflegen und bewahren sein Werk in ihren Sammlungen. Auf dem Görlitzer Friedhof erinnert eine Grabstelle an den großen Görlitzer, und der Grabstein ist so, wie Günter Hain immer sein wollte und blieb: schlicht und bescheiden. /1/

 

Quellenangabe:

/1/ Görlitzinformation: „Günter Hain erlebt unsere Heimat“, 1990. S. 78–79 und

www.sz-online.de/nachrichten/der-chronist-mit-dem-zeichenstift-3334110.html


Literaturtipps

  • Bildatlas: Kunst in der DDR (?): „Günter Hain“. URL: https://www.bildatlas-ddr-kunst.de/person/2813 (Stand: 26. 03. 2020)
  • Pfeiffer, Reinhard: „Hain, Günter“. In: Pfeiffer, Reinhard: Von Hannes Hegen bis Erich Schmitt – Lexikon der Karikaturisten, Presse- und Comic-Zeichner der DDR. 1. Auflage. Berlin: Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, 1998.S. 124
  • Kretschmar, Dr. Ernst (1981): „Ohne Titel“. In: Schermann, Ralph (Hg.): Zeitzeichen mit dem Zeichenstift. Görlitz: Sächsische Zeitung, 2000. S. 5 – 7
  • Görlitz Tourismus (17. 09. 2011): „Günter Hain Kalender 2012 jetzt lieferbar!“. URL: www.goerlitz-tourismus.de/2011/09/gunter-hain-kalender-2012-jetzt-lieferbar/ (Stand: 06. 05. 2018)
  • Stadtwiki Görlitz (2012): „Günter Hain“. URL: http://www.stadtwiki-goerlitz.de/index.php?title=G%C3%BCnter_Hain (Stand: 26. 03. 2020)
  • Scholz, Michael F.: „Innerdeutsche Grenze und Mauer im Spiegel der DDR-Comics“. In: Sackmann, Eckart (Hg.): Deutsche Comicforschung Band 9 (2013). 1. Auflage. Hildesheim: Verlag Sackmann und Hörndl, 2012. S. 118 –131
  • Weißhahn, Guido: „Zu dieser Ausgabe“. In: Weißhahn, Guido (Hg.): Klassiker der DDR-Bildgeschichte 25. Hodscha Nasreddin. 1. Auflage. Dresden: Holzhof Comics, 2012. S. 2
  • livekritik.de (2016): „Bilderabend: Günter Hain“. URL: www.livekritik.de/veranstaltungen/bilderabend-günter-hain/ (Stand: 06. 05. 2018)
  • Görlitzer Anzeiger (12. 01. 2016): „Hundert ­Jahre Günter Hain“. URL: www.goerlitzer-­anzeiger.de/goerlitz/kultur/13006_hundert-jahre-guenter-hain.html (Stand: 06. 05. 2018)
  • Schermann, Ralph (27.02.2016): „Der Chronist mit dem Zeichenstift“. URL: www.sz-online.de/nachrichten/der-chronist-mit-dem-zeichenstift-3334110.html (Stand: 06. 05. 2018)