LEPORELLO No. 1

Der Zeichner Gottfried Langelotz

Das Heft

Technische Daten:

erschienen am:

10 Seite, sw und 4c, DIN A5, Leporello, 100 Exemplare

September 2017



Der Zeichner Gottfried Langelotz

Was macht eigentlich Gottfried Langelotz?

Man sieht es ihm an – er hat den Schalk im Nacken! Gottfried Langelotz zeichnet auch als mittlerweile 80-Jähriger mit Begeisterung feinsinnige Karikaturen.

 

Woran erkennt man einen echten Langelotz? An der Nase. Gottfried Langelotz greift sich an selbige und lacht. Natürlich meint er nicht die eigene, sondern jene, die er so gern anderen verpasst. Auf dem Papier. Die meisten seiner Figuren haben wirklich unverkennbare Riechkolben – dick und rund. Dazu gern auch lange Füße und knubbelige Kniegelenke. „Das hat sich einfach so ergeben“, erinnert sich der Erfurter an die ersten Karikaturen, die schon während des Studiums ganz nebenbei aus seinem Zeichenstift flossen. Das ist ein paar Jahre her, Gottfried Langelotz hat gerade seinen 80. Geburtstag gefeiert.

Die Lust am Karikieren ist bis heute ungebrochen, inzwischen sind es weit mehr als eintausend
Bilder, die er zeichnete. Immer nebenbei, als Hobby. Zur Beruhigung des Vaters, der in Erfurt ein
bekannter Fleischermeister war, hatte sich der junge Gottfried mit der Maurerlehre für einen handfesten Beruf entschieden, später studierte er Architektur, arbeitete im Bauwesen, nach der Wende zehn Jahre lang als Oberregierungsbaurat im Landtag. Dabei wäre er so gern Schauspieler geworden. Bestimmt hätte man ihn bevorzugt für komische Rollen besetzt. Noch heute sitzt ihm der Schalk nicht nur im Nacken, er blitzt genauso aus den hellwachen Augen und bricht sich immerzu Bahn, wenn Gottfried Langelotz Witze erzählt oder einen seiner liebevoll-ironischen, klugen Sprüche in die Runde wirft.

 

Niemals verletzend
Liebevoll und wunderbar ironisch sind auch seine Karikaturen, feinsinnig und nie verletzend. „Es muss nicht immer Bum-Bum machen, es reicht ein Bim-Bim“, ist er auch als Zeichner kein Haudrauf. „Ich mag überhaupt keine Bösartigkeiten, eher die kleinen, feinen Spitzen“, erklärt Langelotz seine Art, aus einer Idee eine Karikatur zu machen. Auch andere haben schon früh das besondere Talent des Architekten erkannt, seine witzigen Bilder sind über die Jahre in rund 20 verschiedenen Zeitungstiteln erschienen, auch das Satireblatt „Eulenspiegel“ veröffentlichte gern die Langelotzschen Ergüsse. Hinzu kamen ungezählte Ausstellungen, zwei eigene Bücher. Auch heute sind die Zeichnungen des Hobby-Karikaturisten gefragt, sie sind regelmäßig im Seniorenmagazin „60plusminus“ zu sehen.
Wirklich politisch sind seine Bilder eher nicht, es ist neben diversen Gegebenheiten, mit denen er ringsherum nicht einverstanden ist, vor allem das Zwischenmenschliche, das in seinen Zeichnungen stattfindet. Dabei wird er nie beleidigend oder derb, seine Kunst soll dem Betrachter Spaß machen. Jetzt, mit 80 Jahren, hat Gottfried Langlotz noch immer den Kopf voller Ideen, sie nehmen kein Ende. „Ich bin froh, dass es mir einigermaßen gut geht“, sagt er und fügt mit seinem typischen verschmitzten Lächeln hinzu: „Die 100 Meter allerdings laufe ich nicht mehr so schnell wie früher!“ Am liebsten würde er den ganzen Tag an seinem Schreibtisch sitzen und neue Bilder zeichnen. Manchmal auch malen oder etwas schreiben, das kann er genauso gut. Aber man müsse eben auch andere Dinge tun. Obwohl seine Frau, seine größte Stütze und die wichtigste Person, wie er sagt, immer für ihn da ist, ihm den Rücken freihält, Verständnis hat und so vieles im Haushalt erledigt. Als nächstes, so denkt er laut nach, möchte er vielleicht eine witzige Märchenserie zeichnen. Ob da wohl das Rotkäppchen die typische Langelotz-Nase bekommt...?


Zur Person
Gottfried Langelotz wurde 1936 als Sohn eines Fleischermeisters geboren. Nach dem Abitur absolvierte er eine Maurerlehre, anschließend studierte er in Weimar Architektur und Bauwesen. Er arbeitete in der Hochbauprojektierung, im Bezirksbauamt und in einem Ingenieurbüro. Nach der Wende wechselte er in den Thüringer Landtag, war dort Baurat und Leiter des Referats Bauangelegenheiten. Seine Karikaturen erschienen in mehr als 20 Zeitungstiteln sowie in seinen Büchern „Die Baubude“ und „Kunststücke“ und waren in etlichen Ausstellungen zu sehen. /1/

 

Was macht Gottfried Langelotz heute?
Eher zufällig bin ich auf die kostenlose Zeitschrift „60 plusminus – Für Menschen, die das Leben
kennen!“ gestoßen. Wie der Name schon verrät, gehöre ich da (noch) nicht unbedingt zur Zielgruppe. Aber mit meiner Begeisterung für jede Art von Gestaltung blättere ich auch so etwas durch. Meine Neugier wurde belohnt, denn die Zeichnungen der Männchen mit den Knubbelnasen kannte ich noch aus meiner Erinnerung. Mir war allerdings nicht bekannt, dass der Zeichner aus meiner Heimatstadt kommt und auch noch hier wohnt. Die Fleischerei Langelotz ist jedem Erfurter ein Begriff, den Namen habe ich aber bisher nie mit Gottfried Langelotz in Verbindung
gebracht.

Das Seniorenmagazin erscheint in der kribbelbunt.de Media GmbH Erfurt. Es gibt eine Thüringer,
eine Leipziger und eine Dresdener Ausgabe. Im gleichen Verlag erscheint noch das Familienmagazin „Kids und Co“.

 

Quellenangabe:

/1/ https://meinanzeiger.de/erfurt/karikaturist-gottfried-langelotz-hat-den-schalk-im-nacken/

 


Buchtipps

„Die Baubude“, Eulenspiegel Verlag Berlin, 1. Auflage 1974

„Kunststücke“, Eulenspiegel Verlag Berlin, 1. Auflage 1971


Neuigkeiten

„60 plusminus“, Ausgabe Januar bis April 2020, Ausgabe Thüringen, Seite 62

 

Quelle: https://www.60plusminus.de/topmenu/magazine/60plusminus/magazin-januar-2020-thueringen/